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Nach dem Beitritt zur Europäischen
Union (EU):
Das Feuerwehr- und Rettungswesen
in der Slowakischen Republik
Emblem der Feuerwehren der Slowakischen
Republik
Die Feuerwehren sowie die Hilfs- und Rettungsdienste in den östlichen Staaten Europas haben aus unserer Sicht lange Zeit ein vielfach unbeachtetes Dasein gefristet. Politische und organisatorische Umstände haben persönliche und fachliche Kontakte in die westlichen Länder eher gering gehalten. Nicht nur im Hinblick auf die beantragten und geplanten Mitgliedschaften zahlreicher Oststaaten in der Europäischen Union (EU) bemüht man sich jetzt im Osten um die lange erwartete Öffnung, um fachlichen Austausch und um informelle Kontakte - die Feuerwehren und Rettungsdienste nicht nur in der Slowakischen Republik werden zunehmend interessant!
Slowakische Republik, Slowakei
(Slovensko, Slovak Republic; Teil der ehemaligen Tschechoslowakei/CSFR)
Fläche: 49.035 km2
Hauptstadt: Bratislava (Pressburg)
Einwohnerzahl: ca. 5,5 Millionen
Staatliches Brandschutz- und Rettungssystem
(Berufsfeuerwehr) gemäss Brandschutzgesetz 314 aus 2002
Ehemals Militärischer Zivil-
und Katastrophenschutz (Hasicsky a Zachranny Zbor SR), seit 2003 Einheiten
der Berufsfeuerwehr (Malacky, Zilina, Humenne)
54 Berufsfeuerwehren mit rund 4000
hauptamtlichen Feuerwehrangehörigen in acht Brandschutzbezirken und
51 Kreisen
2850 Freiwillige Feuerwehren mit
rund 100.000 Feuerwehrangehörigen
Besuchs- und Informationsreise
1:
Berufs- und Freiwillige Feuerwehren
in der Slowakischen Republik (Hasicsky a Zachranny Zbor)
Eine im Juni 2004 durchgeführte
erste Informationsreise in die Slowakei zum Kennenlernen
des slowakischen Feuerwehrwesens nach dem Beitritt zur Europäischen
Union (EU) sowie der dortigen Fahrzeugtechnik bot die Gelegenheit zum Besuch
des


Major Jozef Zelenka (Bild links), Kommandant
der Berufsfeuerwehr Nitra in der Slowakischen Republik, zeigte sich sehr
aufgeschlossen und interessiert an den Unterschieden zwischen den deutschen
und den slowakischen Feuerwehrwesen. Seine Feuerwehr verfügt sowohl
über die typischen (und einst militärischen) Feuerwehr-Einsatzfahrzeuge
der Slowakei (mittleres Bild: Gerätewagen auf Praga-V3S) als auch
über neue moderne Fahrzeuge nach westlichem Standard (Bild rechts:
Rüstwagen auf MB-3353 Actros, Rosenbauer).

Tannklöschfahrzeuge vom Typ Tatra
148 (CAS 32) werden von der Berufsfeuerwehr Nitra auch zur Wald- und Flächenbrandbekämpfung
eingesetzt (Bild links);
Bei der Berufsfeuerwehr Bratislava steht
ein Pulverlöschfahrzeug auf T 148 zur Verfügung (Bild rechts).



Freiwillige Feuerwehren in der Slowakischen
Republik haben nicht selten mit finanziellen und strukturellen Problemen
zu kämpfen. Ihre Gerätehäuser und Fahrzeuge erfüllen
nicht den Standard slowakischer Berufsfeuerwehren. Trotzdem integrieren
sie sich mit großem Engagement in das Gesamtsystem.
Im Bild das Gerätehaus der Freiwilligen
Feuerwehr Turzovka im Nordwesten der Slowakei. Die Wehr verfügt über
ein Tanklöschfahrzeug auf Tatra 138 (2. Bild v.l.; das TLF wurde in
Eigenarbeit umgebaut zum T 148 mit 6000 Liter Löschwasser), über
ein Tanklöschfahrzeug (CAS 25) auf Liaz 101 (2500 Liter Wasser, 400
Liter Schaum), über ein Löschgruppenfahrzeug (CAS 8, Avia 31
DA) sowie über ein russisches Geräte- und Mannschaftsfahrzeug
für die Waldbrandbekämpfung.
Kommandant Jozef Malik (Bild links; privat
ein Sammler von Feuerwehrutensilien aller Art!) ist es zu verdanken, dass
einige Oldtimer der Wehr erhalten und restauriert werden konnten. Neben
einem Skoda 505 mit Stratilek-Aufbau aus dem Jahre 1928 (Bild) stehen in
Turzovka noch zwei Handdruckspritzen mit Pferdezug (Sziva Hyugyar, 1912;
Flader, 1923).
Besuchs- und Informationsreise
2:
Zivilschutz- und Katastrophenschutzeinheiten
der Berufsfeuerwehr in der Slowakischen Republik (Zachranna Brigada HaZZ)
Die zweite Informationsreise in
der Slowakei führte zur Rettungs- und Bergungseinheit der Feuerwehr
in Malacky. Seit 1993 unterstanden diese in Malacky, Zilina
und Humenne stationierten Einheiten der Slowakischen Armee (Zachranna
Brigada Armady), bevor sie - nach Gründung eines Zivilschutzamtes
(1997) - diesem zunächst unterstellt, im Jahre 2003 dann aber der
Berufsfeuerwehr zugeordnet wurden. Die heutigen Rettungs-
und Bergungseinheiten der Berufsfeuerwehr (Zachranna Brigada HaZZ)
kommen sowohl bei nationalen Grossschadensereignissen (zum Beispiel Hochwasser,
Naturkatastrophen, Industrieunfälle) als auch bei internationalen
Schadensereignissen zum Einsatz.
Die Einheiten verfügen sowohl
über schweres Gerät und Fahrzeuge aus Beständen
der Armee (Transportfahrzeuge, Bergungsfahrzeuge) als auch über Lösch-
und Gerätefahrzeuge für den Brandschutzeinsatz (zum Beispiel
Grosstanklöschfahrzeuge, Feuerlöschpanzer, Bergungspanzer, Dekontaminationseinrichtungen).




Bild 1: Feuerlöschpanzer SPOT 55,
ausgerüstet mit 11.000 Liter Löschwasser, 2000 Liter Schaumlöschkonzentrat
und 500 kg Löschpulver;
Bild 2: Desinfektionsgerät (PDP-2)
zur Desinfektion und Dekontamination von Personen, Ausrüstung und
Material;
Bild 3: Die Rettungs- und Bergungseinheiten
der Berufsfeuerwehr verfügen über schwere Transportfahrzeuge
wie dieser vierachsige Tatra 815 mit Tieflade-Anhänger zum Transport
der Bergungs- und Feuerlöschpanzer;
Im Bild rechts eines der fünf neuen
Einsatzfahrzeuge für den Katastrophen-Auslandseinsatz (Landrover mit
Geräte- und Materialanhänger).
Besuchs- und Informationsreise
3:
6. Internationale Fachkonferenz
und Fachmesse "FIRECO 2005", Trencin/Slowakei
Aufgrund seiner internationalen
Veröffentlichungen zum Thema "Wald- und Flächenbrandbekämpfung"
(Wildland Firefighting) erhielt Wolfgang Jendsch Anfang 2005
eine Einladung des Brandschutztechnischen Forschungsinstitutes des
Innenministeriums der Slowakischen Republik zur Teilnahme an der
6.
Internationalen Fachkonferenz "FIRECO 2005". Unter der Überschrift
"Einsätze
der Feuerwehren bei speziellen Sicherheitsrisiken" präsentierten
rund 50 Referenten unter anderem aus der Slowakei, aus Tschechien, Polen,
Belarus/Weissrussland, Lettland, Ungarn und der Niederlande ihre Erkenntnisse
zur internationalen Gesetzgebung bei Grossschadensfällen und
Katastrophen, zur Koordination grenzüberschreitender
Einsätze sowie zur unterschiedlichen Technik und Taktik
nationaler Brandschutz- und Rettungssysteme.
Unter dem Stichwort "Einsatzbewältigung
aussergewöhnlicher Naturkatastrophen" sprach Wolfgang Jendsch
zum Thema "Brandursache: Teufelswinde" (Santa-Ana-Winds)
über die verheerenden Waldbrände und Feuerstürme im
Oktober/November 2003 im Süden Kaliforniens/USA.
Wolfgang Jendsch, zugleich Mitglied
der
"International Association of Wildland Fire" (IAWF) in
South Carolina/USA, präsentierte damit vor etwa 300 internationalen
Brandschutzfachleuten den spektakulären, insgesamt vier Wochen
andauernden Einsatz von rund 19.000 Feuerwehrangehörigen
mit etwa 2000 Löschfahrzeugen,
110 Löschflugzeugen und 90
Löschhubschraubern.
Der Fachkonferenz angeschlossen
war eine Fachausstellung, bei der nationale und internationale
Aussteller ihre neuesten Einsatzfahrzeuge, Geräte und persönliche
Ausrüstung vorstellten.


Verschiedene nationale und internationale
Fahrzeughersteller - unter anderem die deutsche Firma Liebherr - präsentierten
auf der "FIRECO 23005" ihre neuesten Einsatzfahrzeuge. Inwieweit sie in
absehbarer Zeit den Weg in die Fahrzeughallen der slowakischen Feuerwehren
finden, blieb zunächst unklar?!
Organisiert und durchgeführt
wurden die Veranstaltungen im Messezentrum Trencin/Slowakei vom Präsidium
der Feuerwehren im Innenministerium der Slowakischen Republik in
Bratislawa (Präsident Jozef Palus, Vizepräsident Jozef
Prosnak) sowie vom Brandschutztechnischen Forschungsinstitut
der Slowakischen Feuerwehren (Leiter des Nationalen Informationszentrums
der Feuerwehr- und Rettungsdienste, Boris Toman) in Koordination
mit dem slowakischen Organisation des internationalen Feuerwehrverbandes
"Comité
Technique International de Prévention et d’Extinction du Feu" (CTIF).
Die Veranstaltung bot nicht nur
Gelegenheit zum Austausch fachlicher Erkenntnisse, sondern
zugleich auch die Möglichkeit zu Aufnahme neuer Kontakte
beziehungsweise zur Festigung bereits bestehender internationaler
Kontakte.

Der Präsident der tschechischen Feuerwehren und Stellvertretende
Innenminister der Tschechischen Republik, Miroslav Stepan (Bild, 3.v.l.),
der Präsident der slowakischen Berufsfeuerwehren, Jozef Palus (2.v.r.)
sowie sein Stellvertretender Jozef Prosnak (2.v.l.) beobachten die Schauübung
der Feuerwehr (Bild rechts) auf der Messe in Trencin/Slowakei.
Fachbeiträge zum Thema
"Feuerwehrwesen in der Slowakischen Republik" (Autor: Wolfgang Jendsch)
im inhaltlichen Zusammenhang
mit der neuen Mitgliedschaft in der Europäischen Union (EU):
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